Umlagen auf den Strompreis

1.    AbLaV
Verordnung zu abschaltbaren Lasten
Die Verordnung über Vereinbarungen zu abschaltbaren Lasten (AbLaV) beschreibt die Rahmenbedin-gungen, unter denen Industrieanlagen bzw. stromintensive Produktionsprozesse kurzfristig abgeschaltet bzw. gedrosselt werden können. Dies dient der Stabilisierung der Übertragungsnetze und der Förderung der Versorgungssicherheit.

Anbieter von abschaltbaren Lasten erhalten für den vereinbarten Zeitraum ein Bereitstellungsentgelt (Leistungspreis). Darüber hinaus wird für die tatsächliche Drosselung oder Abschaltung der Produktion ein Arbeitspreis für die abgeschaltete Leistung gezahlt.

Die Übertragungsnetzbetreiber sind nach dieser Verordnung verpflichtet, ihre Aufwendungen und Zahlungen untereinander auszugleichen. Dabei soll der Umlagemechanismus des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes (KWK-G) Anwendung finden, mit dem Unterschied, dass die dort geltenden Belastungsgrenzen nicht zur Anwendung kommen. Die Umlage wird demnach bei allen Letztverbrauchern gleichermaßen erhoben.

Die Umlage für 2020 beträgt 0,007 Cent/kWh. In die Berechnung ist neben den prognostizierten Kosten für 2020 auch eine Nachverrechnung aus der Jahresabrechnung 2017 incl. Zinsen eingeflossen. Die Kostenbasis wurde mit der Regulierungsbehörde (Bundesnetzagentur) abgestimmt.

2.    Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG)
Förderung erneuerbarer Energien
Das EEG soll gemäß seinem Zweck (§ 1 Abs. 1) dem Klimaschutz dienen und gehört zu einer Reihe gesetzlicher Regelungen, mit denen die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Erdgas oder Kohle sowie Kernkraft verringert werden soll. So werden Wind-, Solar-, Wasser- und Biomasseenergie nicht nur finanziell unterstützt, sondern genießen im Stromnetz Vorrang vor Atom- oder Kohlestrom. Inzwischen sind die erneuerbaren Energien eine wichtige Säule der deutschen Stromversorgung.

Das Gesetz verfolgt das Ziel nach Absatz 2 Satz 2 Nummer 1, den Anteil des aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms am Bruttostromverbrauch stetig und kosteneffizient auf mindestens 80 Prozent bis zum Jahr 2050 zu erhöhen. Auf dem Weg dahin sollen folgende Ziele verfolgt werden:

40 bis 45 Prozent bis zum Jahr 2025,
55 bis 60 Prozent bis zum Jahr 2035 und
mindestens 80 Prozent bis zum Jahr 2050
Auch soll der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Bruttoendenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 auf mindestens 18 Prozent erhöht werden.

Die Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien muss allerdings subventioniert werden. Das erfolgt in Form der EEG-Umlage, die allen Stromkunden auferlegt wird.

Prinzip und Umlagemechanismus
Mit dem EEG erhalten betroffene Anlagebetreiber 15 bis 20 Jahre lang eine festgelegte Vergütung für ihren erzeugten Strom, und Netzbetreiber werden zu dessen vorrangiger Abnahme verpflichtet (§ 21 und § 8 Abs.1 EEG vom 25. Oktober 2008). Die Einspeisevergütung ist zunächst vom Netzbetreiber zu zahlen und wird nach dem Willen des Gesetzgebers über einen finanziellen Wälzungsmechanismus an die Verbraucher weitergegeben. Die Höhe der Vergütungssätze ist nach Technologien und Standorten differenziert und soll einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen ermöglichen. Der für neu installierte Anlagen festgelegte Satz sinkt jährlich um einen bestimmten Prozentsatz (Degression). Durch diese stetige Degression wird ein Kostendruck im Sinne einer gewollten Anreizregulierung erzeugt: Anlagen sollen effizienter und kostengünstiger hergestellt werden, um langfristig auch ohne Hilfen am Markt bestehen zu können. Gefördert wird die Erzeugung von Strom aus:

Wasserkraft
Deponiegas, Klärgas und Grubengas
Biomasse
Geothermie
Windenergiesolarer
Strahlungsenergie (zum Beispiel Photovoltaik)
Die EEG-Umlage schließt die Lücke zwischen den Auszahlungen an die Betreiber von regenerativen Stromerzeugungsanlagen für Einspeisevergütungen bzw. Marktprämie und den Einnahmen, die durch den Verkauf dieses EEG-Stroms über die Strombörse erzielt werden (sogenannte Differenzkosten). Die Marktprämie gleicht die Differenz zwischen der bisherigen fixen Einspeisevergütung und dem erzielten Marktpreis an der Strombörse vollständig aus. Grundlage hierfür ist die 2009 in Kraft getretene Verordnung zur Weiterentwicklung des bundesweiten Ausgleichsmechanismus im EEG, kurz AusglMechV. Diese sieht vor, dass der nach dem EEG vergütete Strom von den vier Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) direkt über die Strombörse vermarktet wird.

Nach der AusglMechV werden den Stromlieferanten so nicht mehr Strommengen, sondern nur noch Kosten überwälzt. Eine Abschätzung dieser Kosten müssen die ÜNB jeweils bis zum 15. Oktober für das kommende Jahr vorlegen und die hieraus resultierende, bundesweit einheitliche EEG‐Umlage veröffentlichen.

Nach der AusglMechV werden den Stromlieferanten so nicht mehr Strommengen, sondern nur noch Kosten überwälzt. Eine Abschätzung dieser Kosten müssen die ÜNB jeweils bis zum 15. Oktober für das kommende Jahr vorlegen und die hieraus resultierende, bundesweit einheitliche EEG‐Umlage veröffentlichen.

Die EEG-Umlage wurde für 2020 auf 6,756 Cent/kWh festgelegt
Damit steigt sie um rund 5,5 % gegenüber dem Vorjahr.

Wie wird sich die EEG-Umlage in Zukunft weiterentwickeln?
Seit der Reform des EEG 2017 wird die Förderung der erneuerbaren Energien auf Ausschreibungsbasis gewährt. Dadurch soll mittelfristig die Kosteneffizienz der Förderung steigen. Da die Veränderung jedoch nur Neuanlagen betrifft, kann erst in Zukunft mit einer Reduktion des Fördervolumens gerechnet werden.

Diagramm Entwicklung EEG Umlage

3.    Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG)

Förderung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen
Das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz regelt Abnahme- und Vergütung von Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung auf Basis von Steinkohle, Braunkohle, Erdgas, Öl oder Abfall. Auch wird die Förderung bestimmter KWK-Anlagen geregelt, die einen gesetzlich festgeschriebenen Zuschlag auf den Preis erhalten, der zwischen dem Anlagenbetreiber und dem Netzbetreiber vereinbart wurde.

Von Kraft-Wärme-Kopplung spricht man, wenn in einer Anlage gleichzeitig Wärme und Strom erzeugt werden. Diese Art der Erzeugung ist besonders umweltschonend und trägt zum Klimaschutz bei.

Prinzip und Umlagemechanismus:
Netzbetreiber sind verpflichtet, KWK-Anlagen an ihr Netz anzuschließen und den in diesen Anlagen erzeugten KWK-Strom vorrangig abzunehmen. Die Verpflichtung trifft den Netzbetreiber, zu dessen Netz die kürzeste Entfernung zum Standort der KWK-Anlage besteht. Das Netz muss technisch für die Aufnahme geeignet sein. Für den aufgenommenen KWK-Strom sind der Preis, den der Betreiber der KWK-Anlage und der Netzbetreiber vereinbaren, und ein Zuschlag zu entrichten.

Netzbetreiber, die im Kalenderjahr Zuschläge zu leisten haben, können finanziellen Ausgleich von dem vorgelagerten Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) für diese Zahlungen verlangen. Die ÜNB gleichen die entstehenden Belastungen in einem bundesweiten Ausgleichsverfahren aus. Die daraus entstehenden Mehrkosten werden in Form der Umlage zur Förderung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen an die Letztverbraucher weitergegeben.

Novellierung des KWK 2017

Mit dem 01.01.2017 ist eine Gesetzesnovelle (KWK 2017)  in Kraft getreten, die eine Reaktion auf Forderungen der EU-Kommission darstellt. Danach werden neue oder modernisierte KWK-Anlagen künftig nur noch im Rahmen von Ausschreibungen gefördert. Betroffen von der Ausschreibungspflicht sind Anlagen mit einer Leistung von mehr als 1 MW bis einschließlich 50 MW. Darüber hinaus muss der gesamte in der KWK-Anlage erzeugte Strom in ein Netz der allgemeinen Versorgung eingespeist werden und darf nicht selbst verbraucht werden. Daneben gilt eine Reihe weiterer Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen: so muss z.B. die KWK-Anlage hocheffizient sein und darf keine bestehende Fernwärmeversorgung verdrängen.

Ab 1. Januar 2020 gilt für den nicht privilegierten Letztverbrauch eine KWKG-Umlage in Höhe von 0,226/kWh.

Für Anlagen, die der Besonderen Ausgleichsregulierungsverordnung nach EEG (EEG-BesARLver) unterliegen sowie für die Verstromung von Kuppelgasen (§27a), Stromspeichern (§27b) und Schienenbahnen (§27c) gelten Sonderumlagen.

Weitere Details zur Festlegung des bundesweiten KWK-Aufschlags können Sie den Erläuterungen zum KWK-Aufschlag unter www.netztransparenz.de entnehmen.

4.    Umlage nach § 19 StromNEV
Bundesweite Umlage zur Entlastung stromintensiver Industriebetriebe
Die Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) ist die Verordnung über die Entgelte für den Zugang zu Elektrizitätsversorgungsnetzen. Paragraf 19 regelt das Angebot reduzierter Netzentgelte für besonders stromintensive Letztverbraucher – in der Regel große Industriebetriebe. Das individuelle Netzentgelt darf dabei 20 Prozent des veröffentlichten Netzentgeltes nicht unterschreiten. Die den Netz-betreibern daraus entstehenden Kosten werden auf die übrigen Letztverbraucher umgelegt. Die Höhe der in Rechnung gestellten Umlage ist dabei abhängig vom jeweiligen Jahresverbrauch.
Prinzip und Umlagemechanismus:
Energieintensive Letztverbraucher (Stromverbrauch > 10 GWh/Jahr und mindestens 7.000 Benutzungsstunden) bzw. Letztverbraucher mit atypischer Netznutzung zahlen unter bestimmten Voraus-setzung und nach Genehmigung durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) geringere Netzentgelte. Die dabei entgangenen Einnahmen werden vom Übertragungsnetzbetreiber (ÜBN) erstattet. Die Höhe basiert auf dem jeweils prognostizierten Entgeltausfall der Netzbetreiber. Die ÜNB führen analog des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes untereinander wiederum einen Belastungsausgleich durch.

Finanziert werden die so entstehenden Kosten über die § 19 StromNEV-Umlage. Diese Umlage stellen die Netzbetreiber den Lieferanten bzw. den Netzkunden mit direkten Netznutzungsverträgen in Verbindung mit den Netzentgelten in Rechnung. Die Umlagebeträge reichen die Netzbetreiber zum Ausgleich der Belastungen an die ÜNB weiter.

Die § 19 StromNEV-Umlage wird jährlich durch die ÜNB anhand der tatsächlichen Entwicklungen angepasst und veröffentlicht. Am 25. Oktober 2019 haben die ÜNB die § 19 StromNEV Umlage für 2020 veröffentlicht:

Umlage nach § 19 StromNEV je Letztverbrauchergruppe:

JahrLV Gruppe A' LV Gruppe B'LV Gruppe C'
20200,358 ct/kWh0,050 ct/kWh0,025 ct/kWh

Letztverbrauchergruppe A':
Strommengen von Letztverbrauchern für die jeweils ersten 1.000.000 kWh je Abnahmestelle.

Letztverbrauchergruppe B':
Letztverbraucher, deren Jahresverbrauch an einer Abnahmestelle 1.000.000 kWh übersteigt, zahlen zusätzlich für über 1.000.000 kWh hinausgehende Strombezüge eine maximale § 19 StromNEV-Umlage von 0,05 ct/kWh.

Letztverbrauchergruppe C':
Letztverbraucher, die dem produzierenden Gewerbe, dem schienengebundenen Verkehr oder der Eisenbahninfrastruktur zuzuordnen sind und deren Stromkosten im vorangegangenen Kalenderjahr vier Prozent des Umsatzes überstiegen haben, zahlen für über 1.000.000 kWh hinausgehende Strombezüge maximal 0,025 ct/kWh.

5.    Offshore-Netzumlage nach § 17 f EnWG
Umlage von Kosten für die Netzanbindung von Hochsee-Windparks
Die Umlage wurde 2013 als Offshore-Haftungsumlage eingeführt, um das Risiko für Betreiber von Offshore-Windparks zu minimieren und den Ausbau dieser erneuerbaren Energiequelle zu beschleunigen. Das Risiko ergibt sich z.B. durch nicht rechtzeitig fertiggestellte Stromnetze, sodass die bereits betriebsbereiten Windkraftanlagen nicht angeschlossen werden können.

Offshore-Windparkbetreiber, die durch den verspäteten Anschluss von Hochsee-Windkraftanlagen an das Übertragungsnetz an Land oder durch langdauernde Netzunterbrechungen den erzeugten Strom nicht einspeisen können, erhalten Schadenersatz für die entgangene EEG-Einspeisevergütung. Der Netzbetreiber kann gemäß § 17 f des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) diese Entschädigungskosten als Umlage in die Strompreisberechnung aufnehmen.

Aufgrund des 2017 in Kraft getretenen Netzentgeltmodernisierungsgesetzes (NEMoG) werden ab 2019 die ursprünglich in den Netzentgelten berücksichtigten Anschlusskosten für Hochsee-Windparks der Offshore-Netzumlage zugerechnet. Dadurch verzehnfacht sich die Umlage gegenüber 2018.

Die Offshore-Netzumlage für 2020 setzt sich aus den Entschädigungszahlungen und den Offshore-Netzanbindungskosten nach § 17f EnWG zusammen. Ergänzend wird der Kostenvortrag aus Jahresabrechnung 2017 berücksichtigt.

Die Privilegierungen für die Letztverbrauchergruppen B‘ und C‘ entfallen. Ab 2020 wird die Umlage aufgrund des Netzentgeltmodernisierungsgesetzes (NEMoG) auf das Privilegierungssystem nach dem KWK 2017 umgestellt.

Damit gilt für den nicht privilegierten Letztverbrauch eine Offshore-Umlage von 0,416 Cent/kWh.

Weitere Details zur Festlegung der Offshore-Umlage können Sie den Erläuterungen zur Umlage nach § 17f EnWG unter www.netztransparenz.de entnehmen.

Links

Netzentgelte